erschienen in der afrikapost 1/2014

studium der literatur, philosophie und kunst / philipps-universität marburg.
studium der fotografie / abschlussklasse eva bertram / neue schule für fotografie berlin.

zorana musikic lebt und arbeitet in berlin.

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gestaltung: michael-stumm.com
programmierung: armin dressler

+++ tiefen +++

gruppenausstellung der stipendiat*innen der gesellschaft für humanistische fotografie im projektraum kunstquartier bethanien
eröffnung am 26.11.15 um 19 h
27.11. - 29.11.15 täglich von 11-18 h

bild ©zorana mušikić
"06.02.2015 - 36.64037, 27.72331 (wooden boat capsized, 8 people found dead)"
aus "the mediterranean"

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essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Makoko, augenzwinkernd auch das Venedig Afrikas genannt, ist wohl einer der meistfotografierten Slums Afrikas. Rund 250.000 Menschen leben hier. Die Kinder können schwimmen ehe sie laufen lernen und das Leben spielt sich in Booten und auf Wasserstraßen ab. Doch für die meisten der geschätzt knapp 20 Millionen Bewohner der nigerianischen Business-Metropole Lagos, der schnellstwachsenden Stadt der Welt, ist Makoko ein Schandfleck, den sie selbst nie betreten haben – und der besser früher als später den Luxus-Bebauungsplänen der Regierung unter Gouverneur Babatunde Fashola weichen soll.150.000 Menschen in Lagos, vor allem die Bewohner der informellen Siedlungen, sind gegenwärtig davon bedroht, deswegen ihr Zuhause und damit ihre Lebensgrundlage zu verlieren.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Im Sonnenuntergang versinkt Makoko unter einer Dunstwolke, denn hier wird auf traditionelle Weise Fisch geräuchert. Seit Generationen leben die Menschen hier von der Fischerei. Siedelte man sie auf das Festland um, wäre ihnen ihre Wirtschaftsgrundlage entzogen.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Makoko wurde im 18. Jahrhundert als kleines Fischerdorf gegründet. Über 120 Jahre funktionierte die Community quasi autark, da die Regierung sich nicht kümmerte: ohne Anbindung an jegliche Infrastruktur und Einrichtungen wie öffentliche Krankenhäuser Schulen oder Polizei. Selbst bei der letzten Volkszählung wurde Makoko ausgenommen.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Was für die Regierung hässliche Baracken sind, ist für die Bewohner ihr Zuhause. Doch diese sollen lukrativen Prestigebauprojekten weichen, denn die Wirtschaft in Lagos boomt. Slumbewohner haben nach nigerianischem Recht keinen Anspruch auf ihr Land, selbst wenn sie dort seit Generationen leben. Aus diesem Grund hat die Regierung sämtliche informelle Siedlungen, die potentielles Bauland darstellen, zu Slums erklärt.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Kanus sind nicht nur das Haupttransportmittel in Makoko. Sie dienen gleichzeitig als schwimmende Kleinst-Geschäfte: Imbissbuden, Kaltgetränkeverkauf oder Wäsche- reidienste. Das Mikro-Business ist das ökonomische Modell schlechthin in der Community. Was auf dem Festland der Straßenverkauf ist, passiert hier auf dem Wasser.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Nigeria ist eines der Länder mit den brutalsten Verstößen gegen das Menschenrecht auf Wohnraum weltweit. 30.000 Menschen verloren bei der systematischen Demolierung Makokos im Juli 2012 über Nacht ihr Zuhause.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Die neue „Floating School“, gebaut von dem nigerianischen Architekten Kunlé Adeyemi, ist das Wahrzeichen für eine mögliche Zukunft Makokos. Sie ist Teil des „Lagos Water Community Projects“ – einer Gegeninitiative zu den Abrissplänen der Regierung. Dafür sollen weitere schwimmende Häuser errichtet und zu einer schwimmenden Gemeinschaft zusammengeführt werden. Die Holz-Konstruktion wird von alten Kunststoff-Fässer getragen, die gleichzeitig der Regenwassernutzung dienen.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Bilder von Armut und Elend sind ikonographische Motive, wenn es um die fotografische Berichterstattung von Slums geht, insbesondere aus Afrika. Doch Makoko, das ist auch eine seit zwei Jahrhunderten gewachsene Gemeinschaft, in der Menschen leben, arbeiten und Familien ihre Kinder aufziehen; Menschen, deren Alltag zwar bestimmt ist durch die Herausforderungen ihrer Lebensumstände, die aber gleichzeitig eine unbändige Lebensenergie und Ausdauer haben.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
1861 begann die Kolonialisierung Nigerias durch Großbritannien. Seit 1960 ist Nigeria unabhängig. Doch im Fußball geht nichts über die Englische Premier League – und das quer durch alle sozialen Schichten.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Badia East. Auf dieser Fläche haben vor dem 23. Februar 2013 über 9.000 Menschen gelebt. Die Regierung bestreitet dies trotz Satellitenaufnahmen, die das beweisen, und behauptet, es habe sich um eine Mülldeponie gehandelt. Die Demolierung von Badia East wurde nicht angekündigt. Entschädigungen gab es keine.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Badia ist eine der Communities des „Slum Upgrade“-Programms im Rahmen des mit 200 Millionen US-$ geförderten Lagos Metropolitan Development and Governance Projects (LMDGP). Doch die Regierung hält sich nicht an die von der Weltbank geforderten Bestimmungen, die besagen unfreiwillige Umsiedlungen zu vermeiden oder, wenn dies nicht anders geht, die Betroffenen rechtzeitig zu informieren, ihnen adäquate Entschädigungen zu zahlen und Ersatzwohnraum zu bieten.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic
Viele Menschen, vor allem Frauen, in Badia East, deren kleine Geschäfte durch die Demolierung zerstört wurden, haben nun keine Lebensgrundlage mehr. Sie schlafen mit ihren Kindern auf der Straße und sind auf die Hilfe von Freunden angewiesen.
essay, im schatten des wirtschaftswachstums – zorana musikic